Dieser Satz ist sicherlich vielen bereits mal zu Ohren gekommen. „Ich arbeite Vollzeit. Du bist ja schön entspannt zu Hause. Bin echt neidisch.“ Oder „Man, mein Tag war so anstrengend. Ich wäre auch viel lieber den ganzen Tag zu Hause mit so einem lieben und süßen Baby“. Was wäre, wenn man antworten würde: „Alles klar. Herausforderung angenommen: Wollen wir tauschen“?!

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Nachdem man während der Schwangerschaft unendlich viele Veränderungen in Kauf genommen und die Geburt hin sich gebracht hat, ist man echt platt. Man verlässt üblicherweise nach zwei Tagen das Krankenhaus und kehrt zusammen mit dem neuen Familienmitglied heim. Ab sofort heißt es „Tschüß Rythmus, Hallo Durcheinander!“

Gerade in der Anfangszeit wird die nächtliche Ruhe mehrfach durch ein hungriges Weinen unterbrochen. War es doch nicht der Hunger, wird es wohl das Bedürfnis nach Nähe gewesen sein. Oder ein Pups. Entweder hat man nun das Glück, schnell wieder einschlafen zu können oder man bleibt leider wach. Der Mann hat glücklicherweise nichts mitbekommen, da man aus Rücksicht das Kind schnell „verarztet“ hat. „Hat der Kleine durchgeschlafen?! „Nein, er war 4 Mal wach.“ „Achsoooo. Habe nichts mitbekommen. Habe total gut geschlafen.“

Ich bekomme nicht genug Schlaf. Ich bin ja nur Mutter.

Morgens bzw. der Zeitpunkt, den das Baby als „morgens“ vorgibt, wird schnell geduscht, da die Nacht einem in den Knochen steckt. Beinahe in Lichtgeschwindigkeit schafft es eine Frau, die gerade Mutter geworden ist, sich fertig zu machen. Für den Föhn reicht es dann aber doch nicht mehr, sodass man mit Turban in den Tag starten muss. Schnell wird das Baby versorgt. Das niedliche Nuckeln und Schmatzen lässt die Hektik im Bad schnell vergessen.

Ich habe im Bad nur 5 Minuten Entspannung gehabt. Ich bin ja nur Mutter.

Nun wird sich der To-Do-Liste von vorgestern gewidmet. Punkt 1: Einkaufen. Das Baby wird angezogen und in den Maxi Cosi gelegt. Nachdem man selbst auch aufbruchbereit ist und den Maxi Cosi hoch nimmt, steigt einem ein bekannter Geruch in die Nase: Der Geruch einer vollen Windel. Kommando zurück. Das Baby bekommt nun eine frische Windel. Zu allem Überfluss wird vor dem Verschließen der neuen Windel noch einmal im hohem Bogen gepinkelt, sodass auch neue Kleidung fällig ist. Ausziehen und Anziehen sind so doof, dass dolle geweint werden muss. Nun kommt das Multitaskingtalent zum Einsatz. Saubermachen, Trösten, Anziehen, Beruhigen, Kuscheln… und was ist das für ein Knurren?!

Ich habe bisher noch nichts gegessen. Ich bin ja nur Mutter.

Nun ist der Kleine gerade so gut gestellt, dass man lieber einkaufen fahren sollte. Das nächste Weinen kommt bestimmt. Die Eltern-Kind-Parkplätze sind leider belegt, sodass man ganz regulär parken muss. Es verlangt einem wirklich viel Kraft ab, den Maxi Cosi in einer schmalen Parklücke aus dem eigenen Auto zu manövrieren und ihn anschließend noch auf den Einkaufswagen zu hieven. Der Maxi Cosi wiegt etwa 3 Kilo. Dazu kommt das Baby, welches bis 9 Kilo noch im Maxi Cosi sitzen wird. Halleluja!

Ich mache täglich Muskeltraining. Ich bin ja nur Mutter.

Während des Einkaufens wird der Nachwuchs schon wieder etwas unruhig. Man schaltet in den Turbogang und fegt den Einkaufszettel abarbeitend durch den Supermarkt in Richtung Kasse. Dort angekommen fängt der Nachwuchs wie am Spieß an zu weinen. „Na, was hat denn der Kleine?“, fragt eine Fremde. Tja, wenn man das immer so genau wüsste, gäbe es nur halb so wenig schlaflose Nächte. Zu Hause angekommen wird es mit einer Mahlzeit versucht, die einem wieder entgegen gespuckt wird. Hunger entfällt also. Windel? Frisch. Dann werden es Bauchschmerzen oder Blähungen sein. Eine prüfende Hand auf dem harten Bauch gibt die Gewissheit: Ja, es sind Bauchschmerzen. Nun wird das Bäuchlein gerieben und mit einem Körnerkissen zugedeckt und noch ein bisschen getröstet, bis der Kleine zur Ruhe kommt und noch ein Nickerchen macht. Puh! Geschafft… Wie wäre es nun mit Frühstück? Sofern der Einkauf im Kühlschrank verschwunden ist, wird es nachgeholt.

Ich tröste und umsorge mein Baby solange, bis ich den Grund für sein Unwohlsein gefunden habe. Ich bin ja nur Mutter.

Wie es der Zufall will, ist gerade das letzte bisschen Aufschnitt im Kühlschrank verschwunden, als der Nachwuchs wieder fit ist. Fit und gelangweilt. Das nennt sich effektives Powernapping. Nun heißt es: Beschäftige mich. Und zwar bis zum nächsten Hunger, weil ich mich gerade ohnehin total im Schub befinde und nicht alleine sein mag!“ Der nächste Punkt auf der „To-Do-Liste“ wäre „Badezimmer putzen“, aber das fällt vorerst flach. Dafür wird die Waschmaschine angeworfen. Nun wird auf der Landschaft aus kuschelig weichen Decken herumgekaspert und geschmust, bis die nächste Mahlzeit fällig ist. Glücklich und satt gibt der Kleine sich zufrieden, während man die Wäsche von vorgestern abnimmt, um die neue gleich aufzuhängen. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät, dass der Papa in ungefähr zwei Stunden heim kommen wird und er sicherlich etwas essen möchte. Bevor mit den Vorbereitung des Abendessens begonnen wird, kommt der Kinderwagen noch zum Einsatz. Aber nicht ohne eine Scheibe Brot! Das Wetter lässt einen schönen, ausgedehnten Spaziergang zu. Genüsslich wird nebenbei die Stulle vertilgt. Welch innerer Frieden. Wieder zu Hause angekommen wird mit dem Kochen begonnen.

Ich bewirte alle in diesem  Haushalt. Ich bin ja nur Mutter.

Während sich das Essen im Backofen zum Warmhalten befindet und der Nachwuchs sich glücklicherweise gerade selbst beschäftigt, wird der Punkt „Badezimmer putzen“ als Lückenfüller abgearbeitet. Es soll ja schließlich keine Langeweile aufkommen.

Der Tag neigt sich allmählich dem Ende zu. Nach dem Abendessen verbringt der Vater noch einen Moment mit dem Kleinen, da er einen anstrengenden Tag hinter sich hat. Es wurde ihm von seinem Chef viel abverlangt: Energie, Kraft, Zeit, Geduld, Fingerspitzengefühl, Einfühlsamkeit und gleichzeitig Ruhe und Verständnis. Der arme Kerl. Kein Wunder, dass er kaputt ist. Nun will fragt er, wie man selbst den Tag verbracht hat. „Eigentlich haben wir nicht viel erlebt“.

Ich bin bescheiden und jammere nicht, aber auch mir wurde Energie, Kraft, Zeit, Geduld, Fingerspitzengefühl, Einfühlsamkeit und gleichzeitig Ruhe und Verständnis abverlangt. Ich bin Mutter. 24 Stunden an 7 Tagen die Woche. Ich habe mich dafür aus Überzeugung entschieden. Und ich bereue diese Entscheidung nicht eine Sekunde.

Also, zurück zu meiner Frage: Wer möchte tauschen?!



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Ein Gedanke zu “Du bist ja zurzeit nur Mutter

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