Die Arbeitssuche kann sich als Frau und Mutter echt als schwierig erweisen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um diese 3 Probleme: zu unerfahren, zu gebährfreudig, zu unflexibel und irgendwann zu alt. Spielen wir es doch einmal durch:

Liebes Gegenüber von vor 10 Jahren, Du scheinst offensichtlich Personalmangel zu haben, denn Du hast in der regionalen Tageszeitung inseriert. Es wird eine junge motivierte Mitarbeiterin gesucht. Das trifft sich gut. Ich habe gerade ausgelernt und stecke voller Tatendrang. Schlechte Erfahrungen habe ich in der Berufswelt noch nicht sammeln können und habe daher noch keinen Scheuklappenblick. Ich bin fleißig, flexibel und teamfähig. Ja hallo, hier bin ich! Achso, Du suchst am liebsten eine 18-jährige mit mindestens 5 Jahren Berufserfahrung. Tja sorry, das kann ich Dir leider nicht bieten. Ich werde sicherlich anderweitig fündig…

Hallo liebes Gegenüber von vor 5 Jahren, da bist Du ja wieder. Schau an, inzwischen bin ich schon gut herum gekommen, habe jede Menge gelernt und Erfahrungen gesammelt. Ich weiß, wie das Häschen hoppelt und lese mittlerweile ganz gut zwischen den Zeilen. Ich würde fast behaupten, dass man mir nicht mehr so schnell etwas vormachen kann. Du suchst ja aktuell wieder eine Mitarbeiterin. Das trifft sich gut. Ob ich Familie möchte? Ja, sehr gern sogar. Aber es ist noch nichts konkret in Planung. Hallo? Halloooo? Hey! Warum hörst du nicht mehr zu? Gerade eben war doch noch alles ok zwischen uns …

Liebes Gegenüber von heute, darf ich vorstellen: Mein Mann und mein Kind. Meine Elternzeit neigt sich allmählich dem Ende zu und ich freue mich schon sehr, in die Arbeitswelt zurück zu kehren. Ich könnte platzen vor Tatendrang. Demnächst geht der Kleine zur Tagesmutter, sodass ich eine Teilzeitstelle für den Vormittag suche. Wie bitte? Ich sei nicht flexibel genug?

Was genau, liebes Gegenüber, willst Du eigentlich? Ich soll jung und flexibel sein. Am besten doppelt so viel Berufserfahrung mitbringen, wie ich Lebensjahre auf dem Buckel habe. Der Wunsch von Familie soll entweder verworfen oder trotz Kinder Vollzeit gearbeitet werden. Eeeehmm…

Ich schaffe in 4 Stunden sicherlich mehr als manch eine Schnattertante in 8 Stunden. Ich bin als Mutter bestimmt geduldiger, als manch ein Workaholic, der immer nur Druck hat. Ich bin als Frau und Mutter sogar viel gewitzter, als manch festgefahrener Scheuklappenträger. Wir haben das gewisse Fingerspitzengefühl und Einfühlvermögen, was viele Jobs abverlangen. Wir sind nicht weniger wert, obwohl uns manchmal das Gefühl gegeben wird.

Liebes Gegenüber, Du suchst eine Mitarbeiterin? Hier bin ich und glaube mir: Ich packe das und Du kannst Dich auf mich verlassen.

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4 Gedanken zu “Bin ich weniger wert?

  1. Hallo Stefanie,
    ja, so sieht leider die Realität oft aus. Ich befasse mich auch mit diesem Thema, da ich auch schon so einiges einstecken musste. Zu teuer, zu überqualifiziert, nur Teilzeit – und dazu noch Mutter. Ungewollte Arbeitnehmerin.
    Wenn du magst, schreibe doch gerne mal einen Gastartikel bei mir. Es würde mich freuen.
    Liebe Grüße
    Isa von Lari Lara
    http://www.larilara.de

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