Wie kann es denn bitte plötzlich sein, wenn man sich bestenfalls 9 Monate darauf vorbereiten, belesen und informieren konnte?! Tja, wenn eben nicht alles nach Plan läuft, kann dieses Gefühl und diese Verantwortung einen echt umhauen.

Ich hatte eine genaue Vorstellung, wie alles ablaufen soll: Kreißsaal Nr. 3, Gebärhocker, 2 Presswehen, fertig. Als unser Sohn nach über 60 Stunden Wehen durch Geburtseinleitung in Kreißsaal Nr. 2 in Rückenlage zur Welt kam und deshalb rein gar nichts nach Plan lief, war ich sehr unglücklich. Unglücklich darüber, dass ich zu kaputt und apathisch war, um mich über ihn zu freuen und unglücklich darüber, dass künstlich nachgeholfen werden musste und es so grausam lange dauerte. 

Ich brauchte eine Zeitlang, nicht meinen Sohn dafür verantwortlich zu machen, denn es war ja schließlich mein Körper, der nicht „funktionierte“. Dennoch fiel mir das Muttersein die erste Zeit sehr schwer. Dazu trugen auch noch die Stillprobleme und der Entschluss des Zufütterns von Milchpulver ihren Teil dazu bei. Auch hier empfand ich wieder eine riesige Enttäuschung. So sehr wollte ich stillen. Aber dieser selbst gemachte Druck war enorm.

Ich würde das Vergangene nicht direkt als „Geburtstrauma“ deklarieren, aber psychisch habe ich schon einen kleinen Knacks mitbekommen. Inzwischen kann ich aber gut damit umgehen. Das Schreiben und Lesen anderer Beiträge dieser Art helfen mir dabei sehr. Mittlerweile weiß ich auch, woran es gelegen haben muss: Ich hatte mir allgemein zu viel vorgenommen. Alles war zu sehr durchgeplant und im Nachhinein betrachtet war ich total unflexibel, was Abweichungen meines Plans anbelangte. 

Durch diese furchtbar lange Geburt konnte ich mich wirklich erst Wochen danach mit dem JobMutter“ identifizieren. Dennoch habe ich mein Kind seit der ersten Sekunde geliebt und inzwischen stelle ich fest, wie einsam es doch ohne Kind war. Die Entscheidung für das Eltern werden war die beste, die wir treffen konnten. 

Das nächste Kind wird definitv entspannter empfangen. Ich habe hoffentlich mit unserem Erstgeborenen bereits den Worst Case durchlebt. Es kann deshalb eigentlich nur einfacher werden. Toi Toi Toi.

Ich rate dennoch allen werdenden Eltern, bzw. Organisationsfreaks wie ich, sich nicht zu sehr festzulegen und zu viel zu planen. Es kommt nämlich meist , wenn nicht sogar immer, anders als man denkt 😋 

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2 Gedanken zu “Plötzlich Mutter

  1. Hallo Nani mir ging es wie dir auch ich konnte nicht stillen.Ich habe mir die gleichen Vorwürfe gemacht.Ich denke das gleiche wie Du man muss irgendwie flexibel planen, denn manche Sachen lassen sich nicht immer planen liebe Grüsse Missin-Mom

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  2. Ich kann dieses Gefühl sehr gut nachvollziehen. Hatte bei meinem Sohn eine lange, schwierige Entbindung und habe lange darunter gelitten. Jetzt habe ich vor zwei Wochen ein kleines Mädchen ganz ohne Hilfen in zwei Stunden geboren und fühle mich „fit wie ein Turnschuh“… Weder physisch noch psychisch ein Vergleich zur ersten Geburt! Viele Grüße von Therese

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